Einheitsdenkmal

 

Keiner will es! Schon 2009 war das geplante Denkmal für Freiheit und Einheit in Berlin, das der friedlichen Revolution und deutschen Wiedervereinigung von 1989/90 gedenken und diese in der öffentlichen Erinnerung halten sollte, nicht unstrittig. Einigen schien Freiheit und deutsche Einheit nicht zwingend zusammen zu gehören; Anderen war die Form einer sich bewegenden Schale – ein Entwurf der Berliner Choreographin Sasha Waltz und der Architekten Johannes Milla und Sebastian Letz – nicht geheuer.

Nun hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages die weiteren Planungen abgebrochen. Als Gründe werden Budgetüberschreitungen genannt. Von veranschlagten 10 Mio. sind die Kosten wohl auf derzeit 15 Mio. € gestiegen, weitere Kostensteigerungen seien nicht auszuschließen.

Die Denkmalsflut ist viel beschworen. Die öffentliche Gedächtniskultur ist in den vergangenen drei Jahrzehnten zu einem eigenen Forschungsfeld geworden. Doch wozu brauchen wir diese Erinnerungsstätten überhaupt?

Viele unserer Denkmale sind einfach nur da, sie möblieren unsere Städte und Aussichtspunkte, doch sie sind für uns bedeutungslos geworden, da ihre Themen einer anderen Zeit entstammen und ihre Intention nicht mehr rituell überliefert werden. Sie gedenken historischen Persönlichkeiten (Herrschern, Künstlern, Politikern) oder  sie verewigen Mythen der Staatsgründung (Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park) oder staatlicher Kultur (Ruhmeshalle an der Theresienwiese).

Heute gedenken wir zumeist einer Person oder einer Gruppe von Personen, die in unserem Alltag nicht mehr präsent ist und die wir nicht vergessen wollen oder dürfen – wie im Denkmal für die ermordeten Juden Europas, im Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas (beide in Berlin) oder in jedem einzelnen Stolperstein in vielen deutschen Städten. Wir erinnern historischer Anlässe, die bis heute bedeutsam sind (Freiheitsbrunnen in Memmingen).

Weshalb ist nun das Denkmal für Freiheit und Einheit in Berlin nicht realisierbar? Ein Grund ist sicherlich die lebendige Erinnerung an die Geschehnisse vor 25 Jahren, die neben allem Positiven auch einige Verlierer hervorbrachte. Diese Geschichte ist noch zu nah, um zur allgemeingültigen Erzählung geworden zu sein. Auch mutet es seltsam an, ein Denkmal für die Einheit zu errichten, wenn jeder einzelne den Ort umgebende Stein durch diese Einheit beeinflusst oder gestaltet wurde. Braucht es da einer zusätzlichen Jahrmarktsattraktion als Versammlungsort und Gedenkstätte?

Hier in Memmingen gibt es neben dem Freiheitsbrunnen auch einen Platz der Einheit. Das Denkmal ist ein Straßenschild mitten auf dem Platz – einfallslos und unauffällig. Vielleicht ist das aber ein gar nicht so schlechter Ansatz, um der Geschehnisse zu gedenken. Wenn man das Denkmal in 30 Jahren nicht mehr braucht, widmet man den Platz einfach um.

Bis dahin sollte man Memmingen vielleicht auch als eine Destination empfehlen, die Berlin einiges voraus hat und die sowohl der Freiheit wie auch der Einheit gedenkt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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