Alltagsrassismus!

 

Antwort:

Süddeutsche Zeitung, 4./5. März 2017, S. 4
„Profil: Okwui Enwezor“ von Susanne Hermanski

 

 

Es ist haarsträubend, wir hier unterschiedlichste Themen und Einschätzungen mit tendenziöser, ehrenrühriger Boshaftigkeit vermischt werden.

Natürlich gibt es derzeit Vorwürfe gegen das Haus der Kunst, welche die Handhabung einer Personalfrage im Zusammenhang mit Scientology betreffen. Dies ist jedoch kein neues Problem, sondern es war auch schon unter den beiden Vorgängern Okwui Enwezors aktuell. Hier muss schnell eine Lösung gefunden werden, dabei sind aber auch die Kaufmännische Leitung des Hauses wie auch die Aufsichtsgremien der gemeinnützigen GmbH gefragt. Ihm allein diesen Missstand anzulasten, ist bedenklich.

Auch bei der geplanten Sanierung des Hauses sind die unterschiedlichen Ansätze ohne Zweifel streitbar. Doch diesen Kampf wird Enwezor mit Bravour austragen. Die ‚Vergangenheitsbewältigung’ ist ihm wichtig, nicht umsonst organisierte er schon 2012 die Ausstellung ‚Geschichten im Konflikt’ und eröffnete 2014 mit der Archiv Galerie einen permanenten Raum, der sich intensiv mit der Geschichte des Hauses auseinandersetzt.

Dann wird es jedoch so richtig abstrus: ungenannte Anschuldigungen ungenannter Mitarbeiter, die Erwähnung zerrütteter Verhältnisse in der Belegschaft, die Vorwürfe „bis heute spricht er kaum Deutsch“, „Enwezor trat einst mit seiner Lyrik in der legendären New Yorker ‚Knitting Factory’ auf“ und „mancher zweifelte, ob Enwezor, 53, in München je richtig angekommen sei. Sein Privatleben ist unbekannt.“

Auf welches journalistische Niveau bewegt sich denn hier Frau Hermanski, über deren Privatleben wir ja leider auch nichts erfahren, das aber in diesem Fall wohl ebenso wenig relevant ist! So reizvoll die Vorstellung auch ist, dass Okwui Enwezor als blumenbekränzter Poet durch den Englischen Garten tänzelt statt in harten Verhandlungen sein Haus zu führen, nichts liegt der Wahrheit ferner.

Vielleicht hätte Frau Hermanski in Enwezors Wikipedia-Eintrag noch etwas weiter lesen sollen. Er bekam diese Stelle nicht weil er in jungen Jahren Gedichte verfasste, sondern weil er unter anderem mit ‚The Short Century’ und der Documenta 11 Kunstgeschichte geschrieben hat, weil er seit Jahrzehnten auf höchstem Niveau wissenschaftlich tätig ist und weil er bewiesen hat, dass er anspruchsvolle Großprojekte durchzusetzen in der Lage ist. Seine Ausstellungshistorie ist beeindruckend, ebenso wie seine Pläne für das Haus der Kunst. Er leitet Münchens einzige Institution zeitgenössischer Kunst von globaler Bedeutung und ist dafür viel unterwegs, wie die meisten seiner internationalen Kollegen. Ob seiner Herkunft in diesem Zusammenhang von einer „toleranten Glanzleistung“ des bayerischen Kultusministeriums zu schreiben ist gehässig und widerwärtig! Pfui Teufel!

Axel Lapp
Memmingen

7. März 2017

 

 

 

 

 

 

 

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